die furche - 53

Management by shocking citizens

 

Was tun, wenn man eine Fehlentscheidung getroffen hat, die Probleme macht, weil die Betroffenen sich heftig und öffentlich dagegen wehren? Augen zu und durch oder den Fehler zugeben? Nur nicht zugeben! sagen die politischen Berater. Tun Sie doch einfach so, als wäre Ihre Entscheidung einem Konzept gefolgt, zeigen Sie sich beleidigt, wenn man das nicht verstehen will, und werten Sie notfalls die Argumente und bisherigen Leistungen Ihrer Gegner ab.

 

Wohl deshalb berief sich Wissenschaftsministerin Beatrix Karl auf einen angeblich schon länger gehegten Plan, als sie nach Streichung der Basissubventionen für 74 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen auf einigen Widerstand traf. Auf vier Jahre verteilt geht es um insgesamt 28 Millionen Euro. Das abrupte Streichen von jahrelang regelmäßig geleisteten Beträgen schon für das kommende Jahr stellt für viele der davon betroffenen Institute eine existentielle Bedrohung dar.

 

„Management by shocking citizens“ ist mit Sicherheit der falsche Weg zur Budgetsanierung. In so kurzer Zeit so viel Porzellan zu zerschlagen schafft zwar Aufmerksamkeit, aber die falsche. Ohne Vorankündigung zu kürzen und erst danach Evaluierungen zu prüfen führt in den betroffenen Einrichtungen zu Frustration und Ratlosigkeit. Außerdem stellt die Vorgangsweise eine massive Verletzung des Vertrauensschutzes dar – ein Argument, das hierzulande zwar Seniorenvertretern zugestanden wird, wenn sie Alleinverdiener-Absetzbeträge für kinderlose Ehepartner verteidigen, nicht aber verdienten Forschungseinrichtungen.

 

Hochrangige Universitätssprecher vermeinten, der Ministerin zur Hilfe eilen zu müssen und sprachen sich für die brutalen Kürzungen aus. Sie stellten eine Chance für eine schon seit einiger Zeit angedachte „Stukturbereinigung“ dar. Diese unerwünschte Beihilfe zur Ausschaltung der außeruniversitären Konkurrenz scheint mir eine besonders ärgerliche Ausprägung des Floriani-Prinzips zu sein.

 

Wo soll Krzysztof Michalski mit seinem Institut für die Wissenschaft vom Menschen universitär andocken, ohne dessen Einzigartigkeit und Dynamik zu gefährden? Und wer würde die von Kardinal König gegründete Stiftung „pro oriente“ wirksamer führen als Hans Marte mit seinem erfolgreichen Expertennetzwerk?

 

Entzieht man solchen exemplarischen Organisationen mit ihrem weit über das Wissenschaftliche hinausreichenden gesellschaftlichten Stellenwert ihre materielle Basis, verlieren wir alle dabei. Schon gar nicht kann der Ausweg in der Bindung jeglicher Basisförderung an europäische Fördergelder liegen. Das wäre das Eingeständnis einer Selbstaufgabe eigenständiger, österreichisch-spezifischer Wissenschaftspolitik.

 

Frau Ministerin Karl wäre gut beraten, ihre Fehlentscheidung zurückzunehmen, die Grundfinanzierung für das kommende Jahr sicherzustellen und dann auf der Grundlage einer unvoreingenommenen Auseinandersetzung mit der außeruniversitären Szene mehrjährige Finanzpläne mit gezielten Einsparungen zu entwickeln.

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